Bertolt Brecht

Ein Fisch mit Namen Fasch

 

Es war einmal ein Fisch mit Namen Fasch

Der hatte einen weißen Asch

Er hatte keine Hände zum Arbeiten nicht

Und er hatte keine Augen zum Sehen im Gesicht

In seinem Kopf war gar nichts drin

Und er hatte auch für nichts einen Sinn

Er kannte nicht das Einmaleins

Und von allen Ländern kannte er keins

Er war nur der Fisch Fasch

Und er hatte eben seinen weißen Asch

 

Und wenn die Menschen ein Haus bauten

Und wenn die Menschen Holz hauten

Und wenn die Menschen einen dicken Berg durchlochten

Und wenn die Menschen Suppe kochten

Dann sah der Fisch Fasch ihnen stumpfsinnig zu

Und wenn sie ihn fragten: Und was machst du?

Dann sagte er: ich bin doch der Fisch Fasch

und dies hier ist mein weißer Asch

 

Gingen sie aber am Abend in die Häuser hinein

Dann ging der Fisch Fasch hinter ihnen drein

Und wenn sie sich setzten zum Ofen, nanu

Dann setzte sich der Fisch Fasch auch dazu

Und wenn die Suppe kam auf den Tisch

Dann saß da gleich auch mit einem großen Löffel

ein Fisch und rief ganz laut, jetzt esset rasch

Dann zeig ich euch meinen weißen Asch

 

Da lachten die Leute und ließen ihn mitessen

Und hätten wohl auch seine Faulheit vergessen

Wenn nicht eine Hungersnot gekommen wäre

Und zwar keine leichte, sondern eine schwere

Und jetzt mußte jeder etwas bringen für die Hungersnot

Der eine brachte ein Stück Käse, der andere eine Wurst, der dritte ein Brot

Nur der Fisch Fasch brachte nichts als den Löffel mit

Das sahen einge Leute, sie waren grad zu dritt

 

Und da fragten sie mal den Fisch Fasch, na und du

Was gibst jetzt eigentlich du dazu?

Und da sagte der Fisch Fasch

Ja, wenn ich vielleicht meinen weißen Asch...

Aber da wurden die Leute zum erstenmal sehr bitter zu dem Fisch Fasch

Und redeten mit ihm plötzlich ganz barsch

Und warfen ihn mal ganz rasch durch die Eichentür

Und verhauten ihm draußen seinen weißen Asch